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Schlafen Sie schon oder fahren Sie noch?

Schlafen Sie schon oder fahren Sie noch?

... und welcher Autobahn-Erholungstyp sind Sie eigentlich?

Vater und Sohn steigen in den Wagen und freuen sich auf ihr Urlaubsziel in Norditalien, von dem sie jetzt nur noch durch 1000 km Autobahn getrennt sind. Beide wollen abwechselnd fahren. Nach ca. 2 Stunden Fahrt beginnen sie zu überlegen, wie man sich am besten in der Pause erholt. Der Vater plädiert für einen kurzen Schlaf, denn Kaffee würde doch nur nervös, aber nicht wacher machen. Dem Sohn ist schlafen zu langweilig, er meint, ihm reiche eine Tasse Kaffee. Wie sehen diese unterschiedlichen Vorgehensweisen im Lichte wissenschaftlicher Untersuchungen aus?

In der Tat haben französische Wissenschaftler die Effekte von Kaffee und einem Nickerchen auf die Fahrqualität bei jüngeren und älteren Fahrern untersucht. Mit überraschenden Resultaten: Offenbar gelten für Jüngere (20-25 Jahre) und Ältere (40-50 Jahre) unterschiedliche Bedingungen. Die Fahrer wurden zwischen 18.00 und 19.30 sowie zwischen 2.00 und 3.30 auf die Autobahn geschickt. Verglichen wurden die zusätzlichen Fahrfehler in der Nacht nach entweder entkoffeiniertem Kaffee, normalem Kaffee und einem 30-minütigem Nickerchen. Es zeigte sich, dass, wie zu erwarten war, sowohl Kaffee als auch das Nickerchen bei beiden Gruppen die Fahrfehler verminderte. Allerdings verminderte der Schlaf die Fahrfehler bei den Jüngeren wesentlich stärker als bei den Älteren: Um 2/3 gegenüber nur 1/5. Der Vater sollte also doch überlegen, gemeinsam mit seinem Sohn einen Kaffee zu trinken.

Wobei auch bei Jüngeren die Fahrleistung nicht wieder auf 100 % angehoben wird. In einer ähnlichen strukturierten Studie hatten nur 75 % nach Kaffee und 66 % nach einem Nickerchen die gleiche Fahrleistung wie am Tage – Allerdings auch nur 13 % nach einem Kaffee ohne Koffein.

Schlafmangel ist also schon sehr ernst zu nehmen. Auf einer Fahrt von 1000 Kilometern überfuhren ausgeschlafene Fahrer den Fahrbahnstreifen 66mal, Unausgeschlafene jedoch 535mal.

Wie machen es denn überhaupt die „Anderen“, wenn sie gegen die Müdigkeit beim Fahren kämpfen? Schwedische Wissenschaftler haben nachgefragt: Die meisten halten für einen Spaziergang an, dann folgen Musik, Öffnen des Fensters, Kaffee und ein Gespräch. Das Nickerchen wird übrigens besonders bevorzugt von Profi-Fahrern, Männern und Menschen, die Erfahrung mit Unfällen aufgrund von Schlafmangel haben.

Auch beim Kampf gegen den Schlaf gibt es offensichtlich kulturelle Unterschiede. So wurde bei einer Umfrage bei peruanischen Busfahrern auch das Kauen von Coca-Blättern, sowie das Trinken von Alkohol gemixt mit Coca-Blättern als eine Alternative genannt.

Doch sollte man denn nun wirklich machen, wenn man müde ist und noch fahren muss? Die Antwort ist weiterhin eindeutig: Anhalten und Ausruhen, alles andere wirkt nur kurz. In dieser Pause ein Nickerchen halten, wobei 15 Minuten für viele die richtige Dauer ist und - Kaffee trinken.

Literatur

Literatur

  • Sleep deprivation elevates expectation of gains and attenuates response to losses following risky decisions.Sleep. 2007 May 1;30(5):603-9
  • The effects of one night of sleep deprivation on known-risk and ambiguous-risk decisions. J Sleep Res. 2007 Sep;16(3):245-52
  • Impaired decision making following 49 h of sleep deprivation. J Sleep Res. 2006 Mar;15(1):7-13
  • Caffeine effects on risky decision making after 75 hours of sleep deprivation. Aviat Space Environ Med. 2007 Oct;78(10):957-62.
  • The effects of 53 hours of sleep deprivation on moral judgment. Sleep 2007 Mar 1;30(3):345-52.
  • Sleep deprivation reduces perceived emotional intelligence and constructive thinking skills. Sleep Med. 2007 Aug 29.
  • Effects of working conditions and sleep of the previous day on cognitive performance. Appl Ergon. 2008 Jan;39(1):99-106. Epub 2007 Apr 16. Language performance under sustained work and sleep deprivation conditions. Aviat Space Environ Med. 2007 May;78(5 Suppl):B25-38.
  • The impact of sleep deprivation on decision making: a review. J Exp Psychol Appl. 2000 Sep;6(3):236-49.