Ich habe mich Tag und Nacht vorbereitet
Schlaf und Gedächtnis
Zwei Beispiele zum Thema: Die Prüfung ist in einer Woche und es ist noch viel vorzubereiten. Die Arbeitsphasen erstrecken sich zunehmend in die Nacht. In der zweiten Wochenhälfte reduziert sich die Schlafzeit auf vier bis fünf Stunden. Am Prüfungstag kann nur noch auf die Hälfte des Gelernten zurückgegriffen werden, sicher geglaubte Inhalte werden sogar falsch wiedergegeben. Auch in der entspannten Zeit nach der Prüfung ist ein großer Teil des einmal Gelernten nicht erinnerlich.
Am Nachmittag wird im Golfkurs der Schlag aus dem Bunker geübt. Nach einer Stunde Üben funktioniert es hervorragend. In der Nacht fliegt der Golfer nach Kalifornien zu seinem Lieblings-Golfplatz. Nach einem ausgiebigen Erholungsschlaf vor Ort trifft nimmt er gleich selbstbewusst an einem Turnier teil. Der Ball landet gleich vor dem zweiten Loch im Bunker und – er braucht drei Schläge, um aus dem relativ einfachen flachen Bunker herauszuschlagen. Nichts gelernt.
Beide Misserfolge sind durch den nach der Lernphase folgenden Schlafmangel erklärbar. Im Schlaf wird das Gelernte konsolidiert. Ohne nachfolgenden Schlaf kann das zuvor gelernte wieder verloren gehen – der Aufwand war dann umsonst.
Im Rahmen des Lernens haben die unterschiedlichen Schlafphasen auch unterschiedliche Funktionen. Sensorische Erfahrungen wie Geschmack oder Temperatur sowie motorische Erfahrungen wie der Bunkerschlag werden vor allem im späteren Teil der Nacht bearbeitet, Fakten wie in der Prüfungsvorbereitung eher im früheren Teil der Nacht.
Das der Zusammenhang zwischen Schlaf und Gedächtnis selbst für einen kurzen Schlaf gilt, zeigte ein Test unter Arbeitsbedingungen: Testpersonen trainierten um 12.15 verschiedene Aufgaben, um 13.00 konnte eine Gruppe einen Mittagsschlaf halten, die andere Gruppe musste wach bleiben. Um 16.00 wurden beide Gruppen hinsichtlich der trainierten Inhalte getestet. Die Gruppe, der ein Schlaf erlaubt war, zeigte insgesamt bessere Resultate.
Schlafmangel verhindert jedoch nicht nur das Verfestigen des zunächst Gelernten. Er produziert sogar falsche Erinnerungen. Falsche Erinnerungen konnten aktiv in einem Test produziert werden, in dem die Testpersonen sich 9, 33 oder 44 Stunden nach dem Erlernen von Worten abgefragt wurden. Die Testpersonen nannten nach Schlafentzug signifikant häufiger zuvor nicht gelernte Worte. Dieser Effekt wurde durch Kaffee vermindert.
Trotz des erstaunlichen Effektes des Kaffees bleibt nach diesen Testergebnissen als nachhaltige Strategie nur der ausreichende Schlaf im Anschluss an einen lehrreichen Tag.
Literatur
- Declarative memory consolidation: Mechanisms acting during human sleep. Learn Mem. 2004
- Memory reactivation and consolidation during sleep. Learn Mem. 2004
- Sleep enhances explicit recollection in recognition memory. Learn Mem. 2005
- Sleep Loss Produces False Memories. PLoS ONE. 2008
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